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Franz Hartmann

In seinem Buch ,Im Vorhof des Tempels der Weisheit" zeichnet Franz Hartmann ein sehr klischeehaftes Bild von den Rosenkreuzern:

So seien sie ,im Besitze von anscheinend übernatürlichem Wissen und Kräften, als Menschen von edler Erscheinung, die einen unsichtbaren und unwiderstehlichen Einfluß ausübten auf alle, mit denen sie in Berührung kamen. Sie stellen sie dar als im Besitze der Fähigkeit, die Herzen der Menschen zu lesen, Krankheiten mit Hilfe wunderbarer Medizinen zu heilen oder durch einfaches Auflegen der Hände. Sie werden von allen geliebt und lieben alle; aber ihr Herz ist der geschlechtlichen Liebe unfähig. Sie heiraten nie. Manchmal werden sie als fabelhaft alt bezeichnet, obwohl sie im Vollbesitz männlicher Kraft erscheinen; ferner als große Reisende, die die Sprache jedes Landes, in dem sie sich zeitweilig aufhalten, so fließend wie ihre eigene Muttersprache sprechen; auch daß sie die Kraft besäßen, sich unsichtbar zu machen um dann wieder, oft unerwartet zu erscheinen, wenn ihre Gegenwart dringend vonnöten ist. Sie sind im Besitze unermeßlicher Schätze und sind imstande, niedere Metalle in Gold zu transmutieren; trotzdem verachten sie Reichtümer und begnügen sich damit, in Armut zu leben."1

Diese Auffassung wird durch die Wiedergabe einiger Legenden illustriert. Erwähnt werden zwei 1761 gefangene Propheten, die alle ihre Ketten sprengen und das Gefängnis mit dem Licht ihres Geistes erhellen konnten, ebenso wie Legenden von Flamel und dem Grafen von Saint Germain, Cagliostro und anderen alchemistischen Wundertätern. Diese Gestalten sind ,Adepten" und als solche zu all dem in der Lage, was ihnen nachgesagt wird. Ihnen bringt Hartmann nahezu uneingeschränktes Vertrauen entgegen.

 

Schließlich erwähnt Hartmann noch, daß

,in den Jahren 1756 bis 1768 ein neuer Grad in der Freimaurerei entstand mit dem Namen ,Ritter vom Rosenkreuz` oder der Orden vom Rosenkreuz (Rose-Croix) oder die Ritter vom Adler und Pelikan; aber vergeblich suchen wir unter diesen Rittern nach einem echten Adepten oder selbst nur nach irgend jemanden, der okkultes Wissen oder Macht besaß. Denn wie unsere modernen Kirchen den Schlüssel zu den Geheimnissen verloren haben, der ihnen einst zur Aufbewahrung anvertraut worden war und zu Stätten für gesellschaftliche Zusammenkünfte und religiösen Zeitvertreib herabgesunken sind, so haben unsere modernen Freimaurer seit langem schon das WORT verloren, und sie werden es nicht eher wiederfinden, als bis sie unter die Oberfläche äußerer Zeremonien hinabtauchen und danach in ihren eigenen Herzen suchen."2

Dieses Urteil über die Freimaurerei erscheint um so härter, wenn man bedenkt, daß Hartmann selbst in eben diese Freimaurerei nicht unerheblich involviert war. Deutlich wird daraus jedoch die Vorordnung seiner theosophischen Überzeugungen vor freimaurerischem Traditionsbewußtsein.

In seltsamen Kontrast zu Hartmanns Akzeptanz auch der seltsamsten Alchemistenlegenden als Ausdruck des verborgenen und wundersamen Wirkens von Adepten steht seine kritische Distanz gegenüber dem organisierten Rosenkreuzertum, insbesondere innerhalb der Freimaurerei. In dem Abschnitt ,Pseudo-Rosenkreuzer. Betrüger und Narren" kritisiert er die Wundersucht und Leichtgläubigkeit der Freimaurer, die ,jedem ihre Reihen öffneten, in dem man einen Rosenkreuzer vermutete" und dadurch ,vielen herumfahrenden Abenteurern, Vagabunden, Marktschreiern und Quacksalbern" Zutritt und Einfluß in den Logen verschafften. Es ist Hartmann angesichts der Versprechungen eines Leipziger Gastwirtes namens Schröpfer, der seine Gläubiger mit okkulten Vorführungen narrte, ,fast unglaublich, daß ein geistig gesunder Mensch solch einen Unsinn glauben könnte". Es bleibt allerdings offen, welches die Kriterien waren, die ihn veranlaßten z. B. Cagliostro oder Saint Germain unter die Adepten, die Strikte Observanz und den Orden der Gold- und Rosenkreuzer jedoch unter die Betrüger zu zählen. Vor der dunklen Folie des Ordens der Gold- und Rosenkreuzer mit Wöllners und Bischoffswerders Machenschaften erhebt sich in Hartmanns Gegenüberstellung gleichsam lichtvoll der Orden der Illuminaten. Von Weishaupts Lehren wird gar gesagt, sie ,waren keine anderen, als die Christi".3 Diese positive Würdigung der Illuminaten ohne ein einziges Wort der Kritik ist im Zusammenhang mit der Bekanntschaft Hartmanns mit Leopold Engel zu sehen, der sich in dieser Zeit um eine Wiederbegründung des Illuminatenordens bemühte.4 Inwieweit Hartmann an diesen Aktionen beteiligt war, ist freilich offen. Miers erwähnt jedoch noch eine andere Unternehmung Hartmanns die möglicherweise in Verbindung mit Leopold Engel stand. Nach seinen Angaben wurde in Dresden der ,Esoterische Orden vom Rosenkreuz" begründet, der aber um 1905 von Theodor Reuß übernommen und im OTO aufgegangen sein soll.

 

Der historischen Abhandlung Hartmanns über das Rosenkreuzertum wurden von Heinrich Tränker, dem Herausgeber der ersten Auflage, noch ein erbaulicher Anhang ,Die Prinzipien der YOGA-PHYLOSOPHIE der Rosenkreuzer und Alchemisten" beigegeben, der ursprünglich ein eigenes Werk mit dem Titel ,Ein Schlüssel zu den Geheimsymbolen der Rosenkreuzer" bilden sollte, wozu Hartmann aber vor seinem Tod nicht mehr kam. Der Anhang enthält unverbunden nebeneinander als kommentierte Listen ,Rosenkreuzerische Regeln", ,Die Pflichten eines Rosenkreuzers", ,Die geheimen Zeichen der Rosenkreuzer", ,Die Juwelen der Rosenkreuzer", ,Die Symbole der Rosenkreuzer" sowie die Tabula Smaragdina nebst einigen alchemistischen Traktaten und Regeln.

 


1. Hartmann: Vorhof, 48 f.

2. Hartmann: Vorhof, 77.

3. Hartmann: Vorhof, 93, Fußnote b).

4. Die gemeinsame Unternehmung Engels mit Theodor Reuß zur ,Wiederbelebung" oder richtiger Neubegründung des Illuminatenordens verlief wenig glücklich. 1897 trennten sie sich und Engel begründete seinen eigenen Illuminatenorden in Dresden, der 1899 wieder mit dem Reuß'schen Zweig vereinigt wurde. Ab dem Herbst 1902 trennten sich jedoch ihre Wege endgültig. Doch auch in den Jahren des gemeinsamen Wirkens wollte der Illuminatenorden nicht so recht gedeihen, so daß man beschloß, ,seine Attraktivität durch eine maurerische Fassade zu steigern". Zu diesem Zweck wurde zunächst am 12. März 1901 in München die angeblich bereits 1880 gegründete Freimaurerloge ,Ludwig" wieder eröffnet. Beteiligt waren neben Reuß, Engel und anderen auch die Herausgeber der Zeitschrift ,Übersinnliche Welt", August Weinholtz und Max Rahn.


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